Todesgrant: Tatort Kreuzgasse

Wilfried Oschischnig
Lesedauer: 2 Minuten

Es ist ein Krimi an Schauplätzen, die jeder im Bezirk kennt. Wilfried Oschischnig nimmt die Währingerinnen und Währinger in „Todesgrant“ auch ein bisschen auf die Schaufel.

Ein Krimi quasi an Originalschauplätzen

„Wenn ich etwas schreibe, muss ich mich dabei auch auskennen“, so begründet Wilfried Oschischnig, wieso er die Handlung seiner Krimiserie ausgerechnet in Währing angesiedelt hat. Sein erster Krimi „Todesschmäh“ beginnt mit dem Fund einer Leiche im Schubertpark. Das neue Buch eröffnet er mit einem Großeinsatz der Polizei in der Kreuzgasse, bei dem die Hauptfigur des Buches festgenommen wird. Der Vorwurf: Kannibalismus.

Wahlwähringer aus Kärnten

Matthias Frerk Gradoneg ist eine Art Antiheld, erzählt Wilfried Oschischnig beim Treffen mit „Unser Währing“, das natürlich in der Kreuzgasse, konkret am Johann-Nepomuk-Vogl-Platz, stattfindet. Geboren wurde Oschischnig in Kärnten und sein Akzent ist bis heute unüberhörbar. Aufgewachsen ist er aber genau hier, zu einer Zeit als der Platz noch ein echter Markt war. Nach einigen Abstechern in andere Wiener Bezirke ist er mit seiner Familie wieder ins Kreuzgassenviertel zurückgekehrt. Und die Perspektive des Wahl-Währingers bestimmt auch, was er über den Bezirk schreibt: Sehr bürgerlich und auch etwas empfindlich. Im Kern sind es aber doch freundliche und fürsorgliche Menschen, die auch am Leben von Matthias Gradoneg Anteil nehmen.

Menschenfleisch als Katzenfutter?

Der Weg von Matthias Frerk Gradoneg führt von der Verhaftung in der Kreuzgasse über die Justizanstalt Josefstadt in den Türkenschanzpark, den Dornerplatz im benachbarten Hernals und schließlich wieder zurück nach Währing. Es geht um vertauschte Laborproben, mutmaßlich menschliches Gehirn als Katzenfutter und ein Komplott der Unterwelt, dem er als Hobby-Ermittler schließlich auf die Spur kommt.

„Grauslich, Gradoneg! Ihr Menschenfresser solltet doch längst ausgestorben sein.“ „Hören Sie mir eigentlich zu?! Ich bin fast Vegetarier und unschuldig!“

Im ersten Buch sei er mit den Währingerinnen und Währingern etwas zu streng gewesen, gibt Oschischnig zu. Dementsprechend waren auch nicht alle Reaktionen ausschließlich positiv. Und Reaktionen gibt es mehr als genug: Die Nachbarinnen und Nachbarn seien die ersten, die sein Bücher lesen, erzählt er, auch auf der Straße werde er auf das Buch angesprochen. Im zweiten Band haben Gradoneg und der Autor aber offenbar ihren Frieden mit dem Bezirk gemacht. Geschimpft wird zwar auch – allerdings über einen Ort, der Kritik durchaus verdient: den Dornerplatz in Hernals, der ausführlich als heruntergekommen und seelenlos beschrieben wird.

Krimi als Literatur

Eigentlich sei er selbst kein Leser von Krimis, erzählt Oschischnig. Gefallen hätten ihm aber die Brenner-Romane von Wolf Haas, bei denen es mehr um die Sprache als um den Kriminalfall gehe. In diese Richtung geht auch das Buch „Todesgrant“. Wer einen Mickey Spillane oder Henning Mankell erwartet, wird wohl enttäuscht werden. Aber wer eine kurzweilige Erzählung sucht, die im eigenen unmittelbaren Lebensumfeld stattfindet, wird bei der Krimiserie von Wilfried Oschischnig auf seine Kosten kommen.

Oschischnig Todesgrant

Wilfried Oschischnig: Todesgrant

Verlag: Niemeyer, CW, Buchverlage GmbH

380 Seiten

13 Euro, auch als e-book erhältlich

Photos: Müller-Schinwald, CW Niemayer