Stachelroeschen: Unkraut gibt es nicht

Monika Auer Stachelroeschen
Lesedauer: 3 Minuten

Manuela Auer beschreibt unter dem Namen „Stachelroeschen“ auf Instagram, wie Wildpflanzen aus der täglichen Umgebung das Leben bunter machen können: Als Salate, als Naturheilmittel oder einfach zum Basteln. Ihr Wissen will sie künftig auch in eigenen Kursen vermitteln.

Menschen als Teil der Natur

Was hilft gegen Zecken, wie bereitet man Löwenzahn-Kaffee zu und kann man Buchenblätter essen? Das sind einige der Themen, die „Stachelroeschen“ in den letzten Wochen auf ihrem Instagram-Kanal behandelt hat. Gegen Zecken empfiehlt sie einen Balsam auf der Basis von Kokosöl, beim Löwenzahn kommt es auf die richtige Röstung der Wurzeln an und die Blätter der meisten Laubbäume kann man tatsächlich für einen Salat verwenden. Es gehe ihr darum, die Natur als Ganzes zu sehen und zu vermitteln, dass die Menschen ein Teil davon sind. So könne man Wildpflanzen aus der unmittelbaren Umgebung verwenden, um das Leben bunter und abwechslungsreicher zu machen.

Der Feind aller Gärtner kommt aufs Butterbrot

Sogar bei einem Spaziergang durch das dicht verbaute Kreuzgassenviertel findet Manuela Auer, die sich hinter dem Pseudonym „Stachelroeschen“ versteckt, kleine Naschereien in den Baumscheiben. An einer Stelle entdeckt sie eine Bärlauchpflanze, ein paar Meter weiter wuchert eine Knoblauchsrauke, die man hervorragend in den Salat geben kann. Auch ein bei GärtnerInnen besonders verhasstes Kraut schmecke hervorragend und sei noch dazu gesund: Giersch enthält viel Eisen und passe besonders gut auf ein Butterbrot.

Dieses Wissen will Auer künftig nicht nur auf Instragram sondern auch bei Kursen für LehrerInnen und Elementarpädagoginnen vermitteln. Eigentlich hat sie Heilpädagogik studiert und arbeitete bisher im Behindertenbereich. Die Naturpädagogik soll jetzt als neues Standbein dazukommen um das Angebot in Währing ergänzen.

Altes Wissen über Volksmedizin bewahren und weitergeben.

Aufgewachsen ist Auer im Waldviertel und dort sei es für sie ganz normal gewesen, den ganzen Tag im Wald und in der Natur zu verbringen. Seit damals weiß sie, wie vielfältig Pflanzen verwendet werden können. Bei Kursen mit Kinder verwendet sie zum Beispiel die Stengel des Löwenzahns als Strohalm, die Blätter kommen gemeinsam mit anderen Blüten und Kräutern aufs Butterbrot. Der leicht bittere Geschmack des Löwenzahns sei gesund, gut für Leber und Galle. In ihrer Kindheit seien kleine Krankheiten oft mit Hausmitteln aus der Natur behandelt worden., erzählt sie. Gegen Kopfweh kann es um Beispiel helfen, Veilchenessig auf die Schläfen zu streichen. Und Veilchenessig lässt sich selber leicht herstellen. Dieses Wissen über traditionelle Volksmedizin will sie erhalten und weitergeben

Kontakt: www.instagram.com/stachelroeschen/

email: ma26 (a) gmx.net

In den kommenden Monaten will Manuela Auer ihr Kursprogramm entwickeln und ausbauen. Geplant sind unter anderem geführte Spaziergänge durch die Währinger Parks. Auf die Idee gekommen sei sie, weil sie immer wider angesprochen werde, wenn sie mit ihrem Korb zum Sammeln unterwegs ist. Daraus hätten sich immer wieder nette und interessante Gespräche entwickelt. Der Korb sei inzwischen so etwas wie ihr Markenzeichen geworden. Und weil man in Österreich für alles einen Titel braucht, hat sie zuletzt nebenberuflich eine Ausbildung zur Wildkräuter- und Naturpädagogin absolviert. In diesem Bereich gibt es in ganz Österreich immer mehr Angebote. Das Feld sei aber groß und vielfältig, sie und die anderen würden sich mehr als KollegInnen statt als KonkurrentInnen verstehen.

Unkraut gibt es keines

Unkraut, sagt Manuela Auer, gibt es eigentlich nicht. Man könne aus praktisch allem etwas machen: Wildpflanzen-Pesto, Christbaum-Salbe und Lindenblüten-Tee gegen Verkühlungen, Johanniskraut-Öl gegen Gliederschmerzen, Schlehenlikör, Kräutersalz. Die Zutaten sind alle in den Wäldern und Parks von Währing zu finden.

Und was nicht gegessen werden kann, ist immer noch gut zum Basteln: Aus den Ästen des Hollers lassen sich ganz einfach Kugelschreiber-Halterungen machen, aus dünnen Ästen entstehen Halsketten und aus Blüten von Wiesenblumen lassen sich Medaillons gestalten – aus vermeintlichem Unkraut wird so ein kleines aber wunderschönes Geschenk.

Auf Ihrer Instagram-Seite beschreibt Auer auch, was es mit dem Namen auf sich hat. Stacheln und Dornen haben die gleiche Funktion: Sie sollen Pflanzen vor Fressfeinden schützen. Stacheln wachsen auf der Rinde und lassen sich abbrechen, Dornen sind hingegen wie kleine Äste und fest angewachsen. Der Spruch „Keine Rose ohne Dornen“ ist also eigentlich falsch. Denn Rosen haben keine Dornen, sondern Stacheln.

Photos: Müller-Schinwald

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