Sie fragen: Was passiert mit dem Haus der Barmherzigkeit?

Haus der Barmherzigkeit vorne
Lesedauer: 3 Minuten

Der Bau der neuen Zentrale der Caritas ist abgesagt, so viel ist klar. Wie es mit dem Haus der Barmherzigkeit in der Kreuzgasse weitergehen soll, ist hingegen weiter offen. Das Gebäude steht inzwischen seit 17 Jahre leer und verfällt.

Ihre Frage: Wann beginnt der Neubau des Hauses der Barmherzigkeit

Unser Leser Simon Moser hat per mail eine knifflige Frage geschickt: „Wann wird mit dem Bau des geplanten Caritas-Standortes Vinzenzgasse begonnen? Auf der Projekt-Homepage wurde der genannte Zeitplan offensichtlich schon sehr lange nicht aktualisiert („Abriss: Voraussichtlich 4. Quartal 2020″).“

Antwort: Abriß ab 2024

Wir haben diese Frage an die Pressestelle der Caritas Wien weitergeleitet. Nach zweieinhalb Wochen kam die entsprechende Antwort, die wir hier zusammengefasst haben: „Haus der Barmherzigkeit: 2024 soll Neubau starten„. Vorgesehen ist jetzt der Bau eines Pflegewohnhauses mit 120 Betreuungsplätzen. Außerdem sollen betreute Wohnplätze, Wohnungen und MIetwohnungen entstehen. Im Haus soll es auch Wohngemeinschachften für Menschen geben, die älter sind als 55 Jahre. Die Caritas sucht außerdem einen Nahversorger für das Erdgeschoss als Ergänzung zum wie es heißt, lebendigen Stadtteiltreff. Der Abriß soll 2024 starten, mit der Eröffnung des neuen Gebäudes rechnet die Caritas im Jahr 2026.

Es wird gebaut aber anders als ursprünglich angekündigt und auch deutlich später

Haus der Barmherzigkeit Infotafel

Ursprünglich war angekündigt, dass in der Vinzengasse die neue Zentrale der Caritas gebaut werden sollte, außerdem ein Pflegewohnhaus, ein sozialtherapeutisches Übergangswohnhaus und eine öffentlich zugängliche Kantine. Die Eröffnung war für das Jahr 2023 geplant. Für das Grätzl hätte das eine enorme Aufwertung bedeutet. Die Homepage der Caritas auf der diese Pläne dargestellt sind, ist nach wie vor online.

Schon kurz nachdem das Projekt im Jahr 2018 vorgestellt wurde, geriet das Vorhaben allerdings ins Stocken. Die Baukosten waren deutlich höher als ursprünglich angenommen, hört man. Mit dem Beginn der Pandemie wurde das Projekt dann endgültig auf Eis gelegt. Die Einnahmen der Caritas waren unter diesen Bedingungen nicht klar kalkulierbar.

Inzwischen gibt es neue Pläne, die deutlich weniger ambitioniert sind. Angedacht ist die Errichtung eines Pflegeheims, im Erdgeschoss soll eine Supermarktkette einziehen. Die Caritas-Zentrale bleibt wie bisher in der Albrechtskreithgasse in Ottakring. Einen Zeitplan für Abriß und Neubau gibt es laut den Informationen von „Unser Währing“ noch nicht.

Haus der Barmherzigkeit steht seit 2005 leer und verfällt

Bereits seit 1875 steht an dieser Stelle ein kirchliches Pflegeheim. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Heim schwer beschädigt und in den 1950er neu aufgebaut. Im Jahr 2005 wurde das Gebäude wegen Baufälligkeit geschlossen, die damals 500 Bewohner übersiedelten in andere Einrichtungen des Betreibers „Haus der Barmherzigkeit“ in Ottakring und der Donaustadt. Der damalige Geschäftsführer Christoph Gisinger sprach sich für einen Abriß und Neubau aus, es fehle aber am entsprechenden politischen Willen und der Unterstützung der Stadt Wien.

Im Lauf der Jahre gab es verschiedenste Pläne. Im Gespräch war die Errichtung einer Fachhochschule für Pflegeberufe, überlegt wurde auch eine Zusammenlegung mit dem gegenüberliegenden kirchlichen Schulzentrum. Gleichzeitig verfiel das Gebäude immer weiter. Es gab Einbrüche, 2017 brach sogar ein Feuer aus.

Das Haus sei innen inzwischen so heruntergekommen, dass es nicht mehr gefahrlos betreten werden könne, erzählen Personen, die in den letzten Jahren bei Begehungen dabei waren. Stellenweise sollen sogar die Fußböden durchgebrochen sein. Damit keine Obdachlosen im und um das Haus herum Unterschlupf finden, wurden die Eingänge großflächig mit Brettern versperrt.

Haus muss zu mindestens 40% für Pflege verwendet werden

Kompliziert wird die Nutzung dadurch, dass das Grundstück kirchenintern quasi gewidmet ist. Es muss zu mindestens 40 % der Pflege dienen und kann praktisch nicht an Externe verkauft werden. Sogar die Weitergabe innerhalb der Kirche selbst muss der Vatikan in Rom genehmigen. 2016 ging das Haus von der Erzdiözese Wien an die Caritas über, 2017 wurden dem Bezirk die ersten Ideen präsentiert, 2018 kamen genauere Pläne, ab 2019 gab es sogar schon erste Nachbarschaftsprojekte der Caritas: Am Johann-Nepomuk-Vogl-Markt wurden Hochbeete aufgestellt, die gemeinsam mit den AnwohnerInnen gepflegt werden sollten.

Wir wünschen uns bald neues Leben für das „Haus der Barmherzigkeit“

Nach 17 Jahren Leerstand wäre es höchst an der Zeit, dass dieser wichtige und große Teil des Kreuzgassenviertels endlich wieder zum Leben erwacht.

Photos: Müller-Schinwald

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