Reparaturcafé: Keine Chance für die Wegwerfgesellschaft

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Jeden ersten Montag im Monat wird alten Elektrogeräten im Cafe Trabant wieder neues Leben eingehaucht. Umwelt und Ressourcen werden so geschont. Und der Spaß am Basteln kommt auch nicht zu kurz. Der nächste Termin ist am 7. Februar.

Fast alles kann man reparieren – oder es wenigstens versuchen

„Wegschmeissen kann man es sonst immer noch“ – so erklärt Johannes Helm die Idee hinter dem Reparatur-Cafe. Einmal pro Monat trifft sich der Elektriker hier mit einigen TU-Studierenden und HTL-Schülerinnen, die jeden Abend drei bis vier Geräte „retten“ können. Beim Besuch von „Unser Währing“ steht bereits eine defekte Lavalampe am Tisch. Eine Schülerin bringt eine undichte Gießkanne, später kommen noch ein Heizlüfter, ein handbetriebener Ventilator und sogar eine Waschmaschine auf die Werkbank des Reparaturcafé.

Geplante Obsolezenz

Sie werden zerlegt und geprüft, wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg: Je älter ein Gerät, desto eher lässt es sich auch reparieren erzählt Helm. Billige Elektrogeräte aus Asien können oft nicht einmal aufgeschraubt werden, weil die Schrauben verklebt sind. Und praktisch unreparierbar sind elektrische Zahnbürsten: Motor und Teile sind in ein Gummigehäuse eingegossen und für jeden Reparaturversuch unerreichbar. Ein klassischer Fall von „geplanter Obsolezenz“ – also dass ein Gerät schon so gebaut wird, dass es kurz nach Ablauf der Garantie kaputt geht und auch nicht hergerichtet werden kann.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Idee für das Reparaturcafé kam Helm gemeinsam mit Magali Castan und Simon Moser, den Beitreibern des Trabant. Gäste hätten immer wieder gefragt, ob sie nicht jemand kennen, der Kleinigkeiten herrichten könne. Und statt die Leute einfach an Helm weiterzuleiten, hätten die drei beschlossen, gemeinsam etwas auf die Füße zu stellen. Wichtig: Das Cafe ist keine Reparaturservice, bei dem Geräte einfach abgegeben werden. Es gibt Tips, Rat, Hilfestellung und das nötige Werkzeug. Die Reparatur soll man aber selbst erledigen. Um zu zeigen wie es geht, haben die Castan, Moser und Helm extra ein kurzes Video gedreht:

Teure Geräte sollen besser zum Fachhändler

Mit einer kaputten Rolex sollte man besser zum Uhrmacher gehen und nicht ins Reparaturcafé kommen, lacht Helm, der sich in seinem Geschäft Helmstrom in Gersthof eigentlich auf die Installation von Photovoltaikanlagen spezialisiert hat. Aber abgesehen von solchen Spezialfällen geht eigentlich alles: Toaster, Stabmixer, Bildschirme, Ventilatoren, Mehrfachstecker… Sehr oft sind es nur Kleinigkeiten, die schnell gerichtet sind.

Wegschmeissen kann man es immer noch

Eine Feder ist gebrochen, ein Schalter klemmt, ein Kontakt ist verbogen. Mit etwas Glück und Geschick ist ein altes Gerät mit ein paar Handgriffen wieder einsatzbereit. Sein größter Erfolg war die Reparatur einer 30 Jahre alten Kaffemühle, erzählt Helm. Sein Rat: Wenn ein kaputtes Gerät schon lange herumsteht, soll man den Mut fassen es aufzuschrauben und hineinzuschauen. Denn: Wenn es nicht funktioniert, kann man es sonst ja immer noch wegschmeissen.

Reparaturcafé

Jeden ersten Montag im Monat im Café Trabant in der Dittesgasse 3.

Aktuelle Infos gibt es auf der Facebook-Seite des Trabant und auf der Homepage von Helmstrom.

Photos: Müller-Schinwald

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