Lalish Theaterlabor eröffnet wieder

Nach Umbau und Renovierung eröffnet das Lalish-Theaterlabor in der Gentzgasse am 19. März erneut seine Pforten. Künftig sollen hier Performances, Workshops und offene Labore stattfinden.

Körper und Stimme

Körper und Stimme – das sind die Grundelemente der Performances im Lalish-Tanztheater. Seit 20 Jahren zeigen und erarbeiten Nigar Hasib und Shamal Amin hier ihre Stücke. Es geht um Selbstverwirklichung in einem künstlerischen Kontext, um Arbeit mit rituellen Elementen, erzählen sie beim Besuch von „Unser Währing“ kurz vor der Neueröffnung. Bis vergangenen Sommer hat sich das Theater die Räumlichkeiten noch mit der SPÖ-Währing geteilt, inzwischen hat es den ganzen Bereich übernommen.

Lalish - großer Saal

Kreis statt Bühne

Kern ist der große Veranstaltungsraum. Die Besonderheit ist, dass es hier keine Bühne gibt. Die Aufführungen finden im Zentrum statt, umgeben von mehreren Stuhlreihen. Beim ersten Besuch hätten viele Gäste einen Wow-Effekt, sagt Nigar Hasib. Es sei eine ganz besondere, einladende Atmosphäre. Nicht hier die hell erleuchtete Bühne und dort der dunkle Zuschauerbereich. Statt dessen gebe es im Lalish einen großen gemeinsamen Raum, in dem sich KünstlerInnen und ZuseherInnen gemeinsam wohl fühlen können.

Veranstaltungsraum in ehemaligem Kino

Das Wort „Lalish“ steht für Licht und Leben – so heißt auch der heilige Ort der Religion der Jesiden. Hasib und Amin stammen aus der Stadt Sulaimaniyya in Irakisch-Kurdistan und kamen Anfang der 1990er als Flüchtlinge nach Wien. In Bagdad hatten sie Theater studiert, ihr erster Auftritt in Wien war bereits 1992 im WUK. Gemeinsam mit einer Gruppe von KollegInnen zogen sie im Jahr 2000 in die Gentzgasse. Hier gab es ein ehemaliges Kino, das damals von der SPÖ als Veranstaltungsraum genutzt wurde.

Gastspiele von Japan bis Marokko

Eine wichtige Rolle spielt für die beiden die internationale Arbeit. Im Foyer steht ein eigener Kasten mit Auszeichnungen von Festivals in verschiedenen Staaten des Mittelmeerraums. Sogar in Japan gab es Auftritte, außerdem Workshops in vielen Ländern Europas. Es gehe darum, sich immer weiter zu entwickeln und auch etwas weiterzugeben – Hasib und Amin unterrichten unter anderem an der Universität Innsbruck.

Während der Pandemie waren Programm und Reisetätigkeit stark eingeschränkt. Statt dessen haben die beiden eine eigen Serie von Videoperformances gestartet, die auf dem Youtube-Kanal des Theaters zu sehen sind. Dort finden sich auch Videos über vergangene Auftritte im Lalish-Theaterlabor.

Hoffnung auf Rückkehr von ausländischem Publikum

Das Spielen im Kreis bringe eine viel intensivere Erfahrung, sagen Hasib und Amin. Niemand werde ausgeschlossen, niemand fühle sich allein. Es gehe bei den Aufführungen nicht um Charaktere und eine vorher festgelegte Handlung. Große Teile der Vorführung würden im Rahmen der Performance entstehen. Zu einem Besuch im Lalish-Theaterlabor gehört gemeinsames Essen und Trinken nach der Vorführung. Auch das werde in den neuen Räumen einfacher und besser möglich sein. Und sie bauen darauf, dass nach dem Ende der Pandemie wieder mehr Gäste nach Wien kommen. Der Anteil ausländischer Besucher sei immer hoch gewesen. Wer wegen der Kultur nach Wien komme, gehe eben nicht nur in die Staatsoper sondern wolle auch sehen, was sich im Bereich der experimentellen Kunst tue, erzählt Nigar Hasib.

Vorführungen und Kurse sind noch im Aufbau

Nach dem Umbau ist das genaue Programm noch im Entstehen. In den ersten Monaten soll es vor allem eigene Performances geben, später sind auch Gastauftritte anderer Gruppen geplant. In den neuen Probe- und Seminarräumen soll außerdem ein Bildungszentrum für Tanz mit extra eingeladenen TrainerInnen entstehen. Die Details werden aber erst entwickelt, Termine und Programm werden ab Ende März auf der Homepage zu finden sein.

Lalish Theaterlabor

Gentzgasse 62, 1180 Wien

www.lalishtheater.org/

Photos: Müller-Schinwald