KFZ-Bestand: Währing schwimmt gegen den Trend

KFZ-Bestand in Währing
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Seit der Einführung des Parkpickerls ist die Zahl der gemeldeten Fahrzeuge in Währing gesunken. In den Bereichen nahe des Gürtels besitzt mehr als die Hälfte der Haushalte kein eigenes Auto mehr, das zeigt eine Auswertung der Daten der Landesstatistik.

Bevölkerung wächst, Autobesitz schrumpft

Ein eigenes Auto zu besitzen, ist für die Währingerinnen und Währinger für Jahr zu Jahr weniger wichtig. Denn während im Rest Österreichs die Zahl der KFZ pro Bevölkerung immer weiter steigt, stagniert die Zahl der Autos in Währing. Seit der Einführung des Parkpickerls ist sie sogar leicht gesunken. Ende 2020 waren im Bezirk genau 18.326 Autos gemeldet, und das bei einer Bevölkerung von 51.327 Menschen. Im Schnitt sind das 35,7 Autos pro 100 Einwohner.

Klingt viel, ist aber weniger als im Rest der Stadt, dort liegt der Wert bei 37,6 Autos. Und wirklich wenig ist es im Vergleich zum Rest von Österreich: Laut Daten der Statistik Austria waren zuletzt 57 Autos pro 100 Einwohner gemeldet. Und während diese Zahl im Rest des Landes jedes Jahr auf neue Rekordwerte steigt, stagniert sie in Wien.

Das Parkpickerl bildet eine Zäsur bei Einwohnerzahl und KFZ-Meldungen

Schaut man sich die Währinger Daten der letzten Jahre an, sieht man dass die Zahl der Autos von 2010 bis 2015 ständig sinkt, von 37,2 Autos auf 34,2 pro 100 Einwohner. Die Jahre 2016/17 bilden dann eine deutliche Zäsur. Die Zahl der im Bezirk gemeldeten EinwohnerInnen steigt deutlich, ebenso die Zahl der gemeldeten Fahrzeuge. Grund dafür ist die Einführung des Parkpickerls. Wer sein Auto dauerhaft hier abstellen will, muss das Auto auch hier melden oder überhaupt erst den Hauptwohnsitz nach Währing verlegen. Nach dem Jahr 2017 sinkt die Zahl der gemeldeten Fahrzeuge aber wieder - während sie im Rest von Österreich weiter deutlich steigt. Das Corona-Jahr 2020 bringt dann einen kleinen Ausreißer: Die Zahl der gemeldeten Autos ist in Währing um 0,5 Prozent gestiegen. Also um die Hälfte weniger als im Rest des Landes, wo sie um mehr als ein Prozent angestiegen ist.

In Inner-Währing ist Autobesitz ein Minderheitenprogramm

In Währing gibt es zur Zeit etwa 27.500 Haushalte, denen 18.326 Autos gegenüberstehen. Rein statistisch besitzt in Währing als etwa ein Drittel der Haushalte kein eigenes Auto. Der VCÖ hat sich das für ganz Wien genauer angeschaut und die Statistik um Firmenwagen, Dienstfahrzeuge etc. bereinigt. Demnach haben in ganz Wien bereits 47% der Haushalte kein eigenes Auto mehr, der Anteil der autofreien Haushalte ist in den letzten zehn Jahren stark gestiegen. Für Währing gibt es keine eigene Auswertung. Eine Karte der MA18 zeigt aber, dass der Autobesitz hier sehr ungleich verteilt ist. Am höchsten ist er in Pötzleinsdorf und in den westlichen Teilen des Bezirks. Im Bereich der Kreuzgasse ist Autobesitz ein klares Minderheitenprogramm, auch im Rest von Innerwähring gibt es demnach mehr Haushalte ohne als mit eigenem Fahrzeug.

Quelle: Stadt Wien

Transitroute oder Wohnbereich?

Bei der Verteilung des Straßenraums spiegelt sich das aber in keiner Weise wieder. Laut den letzten Angaben des Magistrat entfallen 64% des öffentlichen Raums in Währing auf Fahrbahnen. Und das, obwohl laut dem sogenannten "Modal Split" nur 27 Prozent der Wege in Wien mit dem Auto zurückgelegt werden (eine eigene Auswertung der Daten für Währing liegt nicht vor). 34,7% sind "Gehsteige und Fahrbahnteiler" - die Fläche, die für FußgängerInnen tatsächlich nutzbar ist, ist also kleiner als diese Zahl aussagt. Besonders krass ist das Missverhältnis bei der Infrastruktur für RadfahrerInnen: Nur 0,3% des öffentlichen Raum entfallen in Währing auf baulich getrennte Radwege, gegenüber 9% aller zurückgelegten Wege.

Dort wo es besonders viele Autos gibt - im Westen des Bezirks, gibt es laut Statistik auch die meisten Straßenbäume. Dort wo es die wenigsten Autos gibt, gibt es die wenigsten Bäume und die meisten versiegelten Verkehrsflächen, die nur als Fahrbahn oder Parkplatz verwendet werden können. Und auffallend ist noch etwas anderes: Je höher der Anteil der Autobesitzer, desto mehr Stimmen entfielen bei der letzten Wahl auf die ÖVP. Und je weniger Autos gemeldet sind, desto höher sind die Anteile der Grünen. Bei Diskussionen über die Umgestaltung des Bezirks ist diese Stimmenverteilung durchaus zu bemerken.

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