Der Leiter der Grätzlpolizei geht in Pension

Grätzlpolizei Währing
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Die Grätzlpolizisten sind die direkten AnsprechpartnerInnen, wenn es um Sicherheit im Bezirk geht. Mit Ende August geht Heinz Mokesch, der Koordinator der Grätzlpolizei in Währing und Döbling, in Pension. Im Gespräch mit „Unser Währing“ zieht er eine Bilanz über die Arbeit der letzten Jahre.

Direkte Ansprechperson für Anliegen und Probleme

Im Hintergrund helfen und die Situation für die Menschen besser machen – so sieht Heinz Mokesch seine Aufgabe als Sicherheitskoordinator der Polizei für die Bezirke Währing und Döbling. Seit 2017 war er die Schnittstelle zwischen der Polizei auf der einen Seite und den Bezirken, dem Magistrat, den Vereinen und vielen anderen Organisationen auf der anderen. Damals wurde das System der „Grätzlpolizisten“ in Wien eingeführt. Seither gibt es in jeder Polizeiinspektion eine direkte Ansprechperson für die Anliegen der BürgerInnen. Und Mokesch koordiniert die Arbeit der zwei Grätzlpolizisten in Währing und der Kollegen in Döbling.

Gemeinsam sicher in Währing

Grätzlpolizei in Währing

Polizeiinspektion Martinstraße: Günther KORMESSER
Telefon: +43 1 31310 27351, Mail: PI-W-18-Martinstrasse@polizei.gv.at

Polizeiinspektion Schulgasse: Gerhard PUMMER
Telefon: +43 1 31310 27361, Mail: PI-W-18-Schulgasse@polizei.gv.at

Früher hätten die Menschen die Polizei höchsten durch Strafzettel kennengelernt, erinnert sich Mokesch. Jetzt gehen die Grätzlpolizisten aktiv auf die Bevölkerung zu, um zu erfahren, wo der Schuh drückt. Oft hilft ein klärendes Gespräch, um zu verhindern, dass Probleme eskalieren. Gemeinsam mit vielen anderen Organisationen versuchen die Beamten in den Bezirk hineinzuhören. Zum Beispiel mit dem Fonds Soziales Wien, dem FairPlayTeam, der Bezirkvorstehung oder den „Wohnpartnern“ von Wiener Wohnen. Und die können ihrerseits beim Grätzlpolizisten um Unterstützung bitten. Er kenne zum Beispiel jede Schule, alle DirektorInnen und fast alle LehrerInnen in Währing, ergänzt Günther Kormesser von der Polizeiinspektion Martinstraße. Wenn es Schwierigkeiten gebe, könne er so schnell und direkt nachfragen, um sich ein Bild der Lage zu machen. Umgekehrt können sich auch die Schulen bei ihm melden, sollten bei ihnen offen Fragen auftauchen.

Lärm und Nachbarschaftskonflikte sind häufigste Themen für Grätzlpolizei

Lärm und Nachbarschaftskonflikte seien die häufigsten Probleme, bei denen die Grätzlpolizisten aktiv werden. Manchmal reicht es, mit beiden Seiten zu reden. Manchmal helfe dabei die Autorität der Uniform, manchmal sei es besser in Zivil aufzutreten. Und in vielen Fällen braucht es den Bezirk, um eine Lösung zu finden. Als Beispiel nennt Mokesch die öffentliche Toilette am Johann-Nepomuk-Vogl-Platz. Vor dem Umbau gab es hier immer wieder Probleme mit Obdachlosen, die in der Toilette übernachtet haben. Dabei kam es auch immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Gemeinsam mit der Bezirksvorstehung wurde dann festgelegt, dass die Toilette in der Nacht versperrt wird – innerhalb kurzer Zeit war das Problem gelöst.

Gemeinsam sicher

Besonders stolz ist Mokesch auf den Umgestaltung der Guneschgasse in Döbling: Nachdem sich mehrere Frauen gemeldet hatten, die sich am Abend in der dunklen Gasse unwohl gefühlt hatten, organisierte er einen runden Tisch mit Bezirk und Magistrat: In der Folge wurden die Bäume und Büsche gestutzt und zusätzliche Lampen installiert. Die Grätzlpolizisten sind auch bei Festen und Veranstaltungen und versuchen so am Leben des Bezirks teilzunehmen, zuletzt haben sie einige Informationsveranstaltungen in Pensionistenheimen gemacht.

Heinz Mokesch (links) und Günther Kormesser, Grätzlpolizist in der PI Martinstraße

Mokesch hat auch ein Rezept für das Kochbuch des Währinger Nachbarschaftstages beigesteuert: „Kürbissuppe nach Art der Wiener Polizei“, das hier heruntergeladen werden kann.

Bei Gefahr im Verzug: Polizeinotruf 133 anrufen

Wenn Gefahr im Verzug ist, dann soll man auf jeden Fall beim Polizeinotruf anrufen, sagt Mokesch. Bei allen anderen Problemen, könne man sich aber an die Grätzlpolizisten wenden. Jedes Anliegen werde ernst genommen und bearbeitet, sagt er. Währing sei ein sehr sicherer Bezirk. Grund für Beschwerden gebe es trotzdem immer wieder: In den letzen Monaten gibt es zum Beispiel immer mehr Meldungen zu E-Scootern, die auf Gehsteigen unterwegs sind. Viele FahrerInnen wissen offensichtlich nicht, dass sie auf der Fahrbahn fahren müssen.

Durch den Lockdown und die Corona-Pandemie ist die Kriminalität in Währing weiter zurückgegangen. Angestiegen sind Betrügereien im Internet und SMS-Betrug. Die Polizei rät, bei unklaren Nachrichten zurückhaltend zu sein und keine Links anzuklicken, die man nicht kennt.

Mit Ende August verabschiedet sich Mokesch in die Pension – wer ihm nachfolgen wird, steht noch nicht fest. Er sei immer positiv, gut gelaunt und mit einzigartigem Engagement für Währing und Döbling unterwegs, so beschreibt ihn Bezirksvorsteherin Silvia Nossek. Mehr als 40 Jahre war er Polizist. Im Streifendienst hätten ihn viele Geschichten und Schicksale hinter den Einsätzen sehr beschäftigt, erzählt er im Gespräch mit „Unser Währing“. Im normalen Polizeialltag habe er nur wenig Möglichkeit gehabt, daran etwas ändern. Bei der Grätzlpolizei und als Sicherheitskoordinator habe er das in den letzten Jahren nachholen können.

Photo: Müller-Schinwald

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