Altbau in der Gentzgasse vor dem Abriss

Gentzgasse vier Abriss
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In der Gentzgasse steht ein weiteres Haus aus der dem 19. Jahrhundert vor dem Abriss, das berichtet der Blog „Wien Schauen“ – und das obwohl es hier eine Schutzzone gibt. Der Bezirk hat in diesem Bereich nur wenig Mitsprachemöglichkeiten, will aber alles mögliche tun um weitere Abrisse zu verhindern.

Haus angeblich nicht wirtschaftlich sanierbar

Eigentlich sollte das Haus Gentzgasse 4 vor einem Abbruch sicher sein. Hier gilt eine Schutzzone und der Abriss historischer Bauten ist daher untersagt. Doch in dem Gesetz gibt es ein Schlupfloch, darauf weist der Blogger Georg Scherer in einem Beitrag auf „Wien Schauen“ hin. Wenn der Hauseigentümer belegen kann, dass die Kosten einer Renovierung zu hoch sind, kann der Magistrat den Abriss trotzdem genehmigen, es handelt sich dann um eine sogenannte wirtschaftliche Abbruchreife. Der Magistrat hat den Abriss bereits genehmigt, bis die Bagger ihre Arbeit beginnen ist es daher nur mehr eine Frage der Zeit.

Gentzgasse vier Abriss Hausnummer

Eigentümer beauftragt Abbruch-Gutachten selbst

Schönheitsfehler an der Sache: Die Gutachter, die den Zustand des Gebäudes und die möglichen Kosten einer Sanierung einschätzen, werden von den Hauseigentümern selbst bestellt und bezahlt. Die zuständige Magistratsabteilung kann diese Gutachten dann kritisch hinterfragen oder einfach durchwinken. Und hier hat es in den letzten Jahren eine ganze Reihe von zumindest fragwürdigen Entscheidungen gegeben.

Bezirk will genauer hinschauen

In Währing war davon zuletzt die „Villa Hanni“ in der Dr.-Heinrich-Maier-Straße 35 betroffen, jetzt ist es das Haus in der Gentzgasse und bereits angesucht wurde um den Abriss des Hauses in der Pötzleinsdorferstraße 90. Der Bezirk hat hier kein Einspruchsrecht, kann aber die Akten einsehen und dazu eine Stellungnahme abgeben. Und dabei sind dem stellvertretenden Bezirksvorsteher Robert Zöchling, der selbst aus der Bauwirtschaft kommt, zwei Dinge aufgefallen: Erstens seien bei den Voraussetzungen für die Sanierung aktuelle Bauvorschriften angenommen worden, die auf Häuser aus dem 19. Jahrhundert nicht anwendbar sind. Dadurch seien die Kosten für eine Sanierung viel zu hoch angesetzt worden. Und zweitens war bei allen drei Bauten das gleiche Team von Sachverständigen am Werk. Beim Verfahren um den Abriß in der Pötzleinsdorfer Straße werde der Bezirk daher ganz genau hinschauen, sagt Zöchling in einem Telefonat mit „Unser Währing“.

Altbauten prägen unseren Bezirk

Das Problem sei dabei nicht nur der Abriß der historischen Bauten, klagt der Blogger Georg Scherer. An ihre Stelle würden völlig gesichts- und charakterlose Neubauten treten. In der Gentzgasse sei das ganz klar bei den Häusern mit den Nummer 53 und 67 zu sehen, die in den letzten Jahren abgerissen wurden. Dort stehen heute neue Häuser mit toten Erdgeschosszonen, die in keiner Weise auf die architektonische Gestaltung der Umgebung abgestimmt sind. Die Schutzzonen seien in der Form, in der sie derzeit vom Magistrat gehandhabt werden, nicht mehr als totes Recht, klagt Scherer. Der Charakter der alten Viertel in Wien würde so schrittweise unwiderruflich verloren gehen.

(c) Wien Schauen Georg Scherer
(c) Wien Schauen Georg Scherer

Positive Ausnahmen sind selten

Das es auch anders geht, zeigt sich an einer anderen Stelle im Bezirk. Die „Villa Rezek“ auf der Windmühlhöhe, die von früheren Besitzern stark vernachlässigt worden war, wird derzeit aufwändig renoviert – wir haben im vergangenen Herbst darüber berichtet. Der Aufwand für diese Renovierung ist zwar enorm – durch eine adäquate Neugestaltung, lässt sich der ursprüngliche Charakter des Hauses aber wieder herstellen.

Bilder: (c) Wien Schauen Georg Scherer, Müller-Schinwald

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