Ein neues Buch wirft einen Blick auf die Geschichte des Währinger Widerstandes gegen das NS-Regime. Das sogenannte blaue Haus gegenüber dem Türkenschanzpark war dabei ein wichtiges Zentrum, das Bedeutung weit über Wien hinaus hatte. Die Widerstandsgruppe wurde verraten, fast alle Beteiligten wurden noch vor Kriegsende hingerichtet.
Maier-Messner-Gruppe als katholischer Widerstand gegen das NS-Regime
Eine Tafel beim Haus Hasenauerstraße 61 erinnert daran, dass hier ein wichtiges Zentren des Widerstandes gegen das nationalsozialistische Regime in Wien war – ein Widerstand, der für fast alle Beteiligten am Schafott endete. In der Villa wohnte in der Zeit des Zweiten Weltkrieges Franz Josef Messner, Generaldirektor des Industrieunternehmens Semperit. Gemeinsam mit dem Gersthofer Kaplan Heinrich Maier scharte er eine Gruppe von Gegnern gegen das NS-Regime um sich, die Informationen über die Kriegsindustrie an die westlichen Alliierten weitergaben. Durch ihre Arbeit hatte die Gruppe Zugang zu Unterlagen über die Produktion kriegswichtiger Güter und der Waffe „V2“, die so über Istanbul dem britischen und US-amerikanischen Geheimdienst gelangten.
Gruppe wurde verraten und zerschlagen
1944 wurde die Gruppe verraten und zerschlagen – ein ausführlicher Bericht dazu ist vor einigen Jahren in der Tageszeitung „Der Standard“ erschienen: Im Netz der Verräter. Acht Mitglieder der Gruppe wurden zum Tode verurteilt – fast alle von ihnen wohnten in unmittelbarer Umgebung des Hauses in der Hasenauerstraße. Messner war einer der letzten Häftlinge, die vor der Befreiung Wiens durch die Rote Armee im Wiener Straflandesgericht hingerichtet wurden.
Neue Besitzerin recherchierte zur Geschichte des blauen Hauses
Die Villa in der Hasenauerstraße gehört inzwischen der Unternehmerin und ehemaligen Währinger Bezirksräten Homa Jordis. Sie wollte mehr über die Geschichte des Hauses erfahren, ihre Recherchen führten sie dann zur Geschichte der Gruppe Maier-Messner. 80 Jahre nach dem Verrat erscheint jetzt ihr Buch, in dem sie Mitglieder der kleinen, aber effiziente Widerstandsgruppe darstellt. Die Autorin beschreibt diese Personen, die aus den unterschiedlichsten politischen und gesellschaftlichen Kreisen zusammenfanden und ein gemeinsames Ziel hatten: den Krieg zu beenden und Österreich als unabhängigen Staat wieder aufleben zu lassen.
Buchpräsentation am 10. April
Das Buch wird am 10. April 2024 um 18.00 Uhr im Festsaal des Amtshauses in der Martinstraße vorgestellt.
Alle Informationen finden Sie un unserem Veranstaltungskalender.
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Photos: Unser Währing.at