Was ist mit den Bäumen am Gersthofer Platzl passiert?

Baumscheiben Gersthofer Platzl
Lesedauer: 3 Minuten

Im Juli mussten vier der fünf Ulmen am Gersthofer Platzl entfernt werden. Wir haben beim Bezirk und der zuständigen Magistratsabteilung 42 nach den Gründen gefragt. Im Herbst sollen neue Bäume gepflanzt werden

Vier von fünf Bäumen haben den ersten Sommer nicht überlebt

Die Freude war groß als im vergangenen November fünf Bäume am neu gestalteten Gersthofer Platzl gepflanzt wurden. Wenn sie einmal angewachsen sind, werden sie in einigen Jahren dringend notwendigen Schatten werfen und ihre Umgebung abkühlen. Schon damals war klar, dass junge Bäume in der Stadt ein besonders schwieriges Umfeld vorfinden. Dass gleich vier der fünf Bäume den ersten Sommer nicht überlebt haben, war aber doch eine Überraschung. Wir haben beim Bezirk und beim zuständigen Stadtgartenamt nachgefragt, warum die Bäume entfernt werden mussten.

Bewässerung Gersthofer Platzl

Jeder der Bäume am Gersthofer Platzl hat eigenen Wasseranschluss

Auf die erste Anfrage von „Unser Währing“ heißt es: Die Bäume hätten ihr „physiologisches Lebensalter erreicht“. Wassermangel oder fehlende Pflege sei auf jeden Fall nicht das Problem gewesen. Bei jedem neu gepflanzten Baum im öffentlichen Raum wird ein eigener Wasseranschluss installiert – jeder der Jungbäume werde pro Woche mit 150 Liter Wasser versorgt, in Hitzephasen sogar mit doppelt soviel. Die entsprechenden Ventile seien geprüft worden, fehlendes Wasser wird als Fehler ausgeschlossen, sagt Ing. Franz-Ferdinand Harrant von den Magistratsabteilung 42 – Wiener Stadtgärten.

Genaue Untersuchung im Labor

Dass einzelne Bäume das erste Jahr nicht überleben sei traurig, aber nicht ungewöhnlich, erklärt Harrant. Dass gleich so viele Bäume an einem einzelnen Standort eingehen, sei aber Grund für eine ausführliche Prüfung. Was den Bäumen den Garaus gemacht hat, werde derzeit genau untersucht. Dazu wurden unter anderem Proben ins Labor geschickt um zu prüfen, ob die Bäume eventuell schon vor der Pflanzung krank gewesen seien. Eine solche Analyse dauere aber mehrere Wochen. Auch andere Gründe werden geprüft, in Frage kommen könne theoretisch Strahlungshitze durch umgebende Fassaden, die Bodenbeschaffenheit oder Fremdeinwirkung. Solange diese Analysen nicht vorliegen, will sich Harrant aber nicht zu den Ursachen äußern.

Baum Gersthofer Platzl

Neue Bäume kommen im Herbst

Sobald die Witterung es zulässt, werden die vier abgestorbenen Bäume ersetzt. Das wird voraussichtlich im November der Fall sein. Je nachdem was die Untersuchung über den Tod der alten Bäume ergibt, kommt dann eventuell eine andere Baumsorte zum Zug.

Bei den fünf bisherigen Bäumen handelt es sich um „New Horizon“-Ulmen. Möglicherweise sei eine andere Baumart an diesem Standort besser geeignet, sagt Harrant. Das werde man aber erst nach der genauen Analyse sagen können.

Hohe Belastung für Bäume, auch am Gersthofer Platzl

In den letzten Jahren wird das Umfeld für Stadtbäume immer schwieriger. Durch den Klimawandel und die globale Erhitzung wird es den klassischen Roßkastanien in Wien zu heiß. Hundeurin, Abgase und Bodenverdichtung durch den Verkehr sind große Probleme, außerdem die Salzstreuung im Winter. Deshalb werden alle neuen Bäume in Baumscheiben gepflanzt die etwas höher sind als das umgebende Pflaster, damit das Streusalz nicht in den Boden eindringen kann. Und damit die Bäume die Hitze besser aushalten, wird eine eigene Wasserversorgung installiert – so auch bei allen Bäumen in der Pötzleinsdorfer Allee, die derzeit saniert wird.

Für verdurstende Bäume in Gemeindebauten ist der Bezirk nicht zuständig

Für Diskussionen gesorgt hat in den letzten Jahren auch der Zustand von Bäumen in den Gemeindebauten. Die Initiative „Zukunft Stadtbaum“ kritisiert seit längerer Zeit, dass neu gepflanzte Bäume in diesen Bereichen nicht ausreichend gegossen werden und daher den ersten Sommer oft nicht überleben. Dieses Problem betrifft laut einem Bericht der Bezirkszeitung auch einige Anlagen in Währing. Für die Pflege der Bäume im Bereich von „Wiener Wohnen“ sind Bezirk und MA42 aber genauso wenig zuständig wie für die Pflege von Bäumen auf anderen privaten Grundstücken.

Mistzange im Einsatz

Baumscheiben sind keine Hundezone

Sollten Sie das Gefühl haben, dass ein Baum in ihrer Umgebung zu wenig Wasser bekommt, können Sie das bei den Wiener Stadtgärten bekannt geben, unter Angabe der Adresse und – sofern bekannt – der Baumnummer. Ein Problem ist außerdem, dass Baumscheiben von vielen HundehalterInnen mit Hundezonen verwechselt werden – bei einigen Baumscheiben in Innerwähring ist die Bepflanzung wegen Hundeurin bereits abgestorben.

Unrat, Mist und Zigarettenstummel können prinzipiell auch selbst entfernt werden ohne auf die MA48 zu warten – eine entsprechende Putzaktion einiger BezirksrätInnen gab es im Frühjahr.

Photos: Müller-Schinwald

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